Vorsichtig steuern wir unter Motor durch den Süddänischen Archipel. Neben der Fahrwasserrinne ist es oft nur 50cm tief. Der Wind wird leider immer mehr zur Flaute, sodass wir unter Motor den kleinen Hafen Lundeborg anlaufen, etwas südlich von Nyborg. Ein
gemütlicher kleiner Ort mit Restaurant, Glacéstand, Kunsthandwerksmarkt, Läden und guten sanitären Anlagen. Bei schönstem Wetter radeln wir durch den Wald zum Schloss Hesselagergard und wieder zurück.
Unter der 18km langen Brücke über den Grossen Belt, bringt uns ein Anwindkurs bis zum Hafen Reersö. Reersö ist zwar gut geschützt, ausser WCs, die anscheinend alle 14 Tage geputzt werden, gibt es hier nichts. Wegen einem Stromausfall in der Nacht, kommt es zum zweiten Mal zu einer Tiefentladung der Batterien – kein gutes Zeichen. Ein Ersatz scheint dringlich. Also steuern wir das nächste grosse
Zentrum an, Aarhus. Mit bis zu 7kn Fahrt queren wir den Grossen Belt und die Grossschifffahrtslinie, umrunden die Insel Samsö und machen im Hafen der kleinen Insel Tunö unsere Leinen fest. «Böle Bonken» liegt hier am Steg und nach einem Gespräch mit den
Elektrofachmann Jürg ist klar, alle Batterien müssen ersetzt werden. Wir hatten sie 2020 gebraucht eingebaut.
Die kleine Insel Tunö, 3.9km lang und 1,5km breit, steht unter Naturschutz und ist autofrei. Wir wandern der Küste entlang, an in den Klippen nistenden Wasservögel vorbei, durch Wiesen, Felder und Wald. Zurück im kleinen Ort, wo der Kirchturm auch Leuchtturm ist, kaufen wir Kartoffeln, die hier auf Holzgestellen angeboten werden.
Nach Aarhus starten wir erst am Nachmittag. Südwestwind mit Gewitterböen bis zu 28kn bringen «Namida» auf den 18sm ganz schön in Schieflage, dass wir oft von Hand steuern müssen. Im grossen Yachthafen Egoo, etwas ausserhalb von Aarhus, finden wir einen sehr guten Marineshop. Die passenden Batterien werden bestellt und geliefert. Über uns entleert sich eine schwarze Wolke nach der anderen.
Susi und Kira aus Aarhus melden sich für einen Besuch an und bleiben über Nacht. In Aarhus suchen wir im Regen die Graffiti zu den Weltklimazielen auf und machen nur wenig später bei schönstem Sonnenschein eine Hafenrundfahrt um Aarhus mit seinen spektakulären modernen Bauten. Langör im Stavnsfjord auf der Insel Samsö ist unser nächstes Ziel. Auf einer Velotour zur
Nordspitze, sehen wir mehr von dieser schönen Insel. Hundested auf Själland wäre das nächste Ziel, aber der Wind dreht zunehmend und wir machen im schönen Städtchen Ebletoft fest. Da mit der Ladung der neuen Batterien noch nicht alles stimmt, kontaktieren wir nochmals einen Elektriker. Zu unserem Glück kommt dieser am Samstag. Eines der Kabel hat sich unter den schweren Batterien versteckt und die Einstellungen des Ladegeräts für den Landstrom war falsch eingestellt. Wir sind froh, um den guten Dienst.
Nach einem Tag mit Starkwind und Wolkenbrüchen starten wir erneut. Wieder stimmt unser Kurs nicht mit dem realen Wind überein. Also Kurs 30° nach Anholt statt 130° nach Hundested.
Auf der Insel Anholt fühlt es sich wie Ferien an. Noch sind nicht viele Schiffe hier, die Fähre, die einmal pro Tag vom Festland her kommt, spuckt eine kleine Schar von Touristen aus. Der Strand, die Sanddünen, der Geruch des Kiefernwalds und der Duft der roten wilden Rosen gefällt uns. Wir radeln durch die Landschaft, lassen uns am Strand von der Brise die Haare zwirbeln und geniessen den Moment.
Die Überfahrt an die schwedische Westküste beginnt ruppig, bei Westwind stehen die Wellen gegen die Hafeneinfahrt. Erst nachdem die vielen Untiefen südlich der Insel durchquert und schrittweise auf raumen Kurs gehen können, nimmt das Geschaukel ab. Bis zum kleinen Hafen Glommen sind wir sechs Stunden unterwegs und überqueren den Kattegat mit bis 7 bis 8 Knoten Fahrt. Die Küste ist hier weitgehend flach, und hat zwischen Felsen schöne Sandstrände, doch die Luft- und Wassertemperatur sind nicht sehr verlockend.
Schon bei der Einfahrt in den Hafen von Varberg beeindruckt uns die imposante Burg. Im Museum erfahren wir einiges über die bewegte Geschichte, Schlachten, Kriege und Entwicklung der Region Halland. Hier geniessen wir das Mittsommerfest, finden im Baumarkt nötige Schrauben und Elektroteile und können unsere norwegische 10l-Gasflasche gegen eine Gefüllte tauschen. Das entscheidende Anschlussteil ist aber nirgends erhältlich. In Bua Hamn liegen wir schön, die Nähe zum Atomkraftwerk Ringeberg mit seinen 3 Reaktoren, macht uns doch ein wenig mulmiges Gefühl. 14km landeinwärts finden wir eine Mobilhome-Werkstatt, und dort endlich das richtige Anschlussteil für die neue Gasflasche. Ohne unsere Velos wären wir dort nicht hin gekommen.
Im Schärengarten vor Göteborg machen wir Halt auf der Insel Vrängö. Im ehemaligen Fischerort schmiegen sich die weissen Holzhäuser zwischen die meist runden Felsen. Endlich ist es sommerlich warm, baden wird möglich, wandern über Felsen und durch den Inselwald.