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Wieder Westwärts

Von Falsterbo, radeln wir nach Skanör, dem westlichsten Hafen in Südschweden, alles gegen den Wind. Da das Velo von Matthias noch nicht repariert ist, nehmen wir die Fahrräder des Hafens, die zur freien Verfügung stehen. Nicht immer die beste Wahl, klapprige Drahtesel. Ursula kämpft, ein Blick zeigt die Ursache, das Hinterrad streift und bremst. Matthias hat passendes Werkzeug dabei. Wir stellen rasch fest, dass wir auf der Halbinsel in einer schwedischen Ferienregion unterwegs sind. Häuser in unterschiedlichen Grössen, auch mit viel Umwung. Der ICA Lebensmittelladen hat ein grosszügiges Angebot. Rund um den vorgelagerten Hafen Scanör mit den Sanddünen gibts alles, was sich der Tourist sich wünscht.

Andi, Matthias Bruder, wird über Kopenhagen anreisen. Wir müssen einen Hafen mit guten Zugsverbindungen anlaufen. Über den Öresund kommen wir gut voran, treffen kaum auf Frachtschiffe in den Schiffahrtsstrassen. Der Wind lässt es nicht zu, dass wir Risör erreichen können. Deshalb laufen wir die Bucht nördlich der Insel Mön an und legen im kleinen Hafen der Insel Nyord an. Hier ist es zwar eng, aber schön und ruhig. In Stege erreicht uns Andi mit dem Bus problemlos. Bei schönstem Wetter nutzen wir den Tag mit Starkwind und besuchen mit dem Bus die Kreidefelsen. Sowohl von oben, als auch von unten sind die Abbrüche gewaltig. Erst vor kurzer Zeit ist ein grosser Teil ins Meer gestürzt und hat den Strand neu geformt. Am nächsten Tag segeln wir um die Klippen von Mön zum Hafen Klintholm. Dort müssen erneut auf besseres Wetter warten.

Früh am Morgen starten wir auf die Tagesetappe nach Gedser. Von dort wollen wir über den „Femer Baelt“ nach Fehmarn, weiter im Windschatten der Küste entlang Richtung Lübeck. Wir können den Kurs Südwest aber nicht halten und steuern deshalb Wismar an. Aus geplanten 30 werden es fast 60 Seemeilen. Der Wind wird stärker und baut über die Lübecker Bucht Wellen auf. Die ruppige See fordert uns heraus. Um die Frachtschiffe und Fähren sicher zu passieren, braucht es hartnäckiges, manuelles „Hart am Wind“ Segeln. Vor Wismar müssen wir die lange Einfahrt mit Untiefen passieren. Eine Befestigung des Gennackersackes löst sich und Ursula klärt das auf dem Vorschiff. Sie kämpft wagemutig zwischen eindrücklichen Wellentälern und holt sich bloss nasse Füsse. In Wismar ist der Spuk vorbei. Die Sonne scheint, es ist warm und vom Wind ist kaum mehr etwas zu spüren.

Wir bummeln durch Wismar, erfahren viel über Leben und Handel bei einer Stadtführung. Sehr interessant waren Informationen zur Bautechnik der Backsteinkirchen. Ein Kirchenschiff wurde nach grossen Bombenschäden durch die DDR-Führung gesprengt, heute zeugt ein Mahnmal davon. Wir suchen etwas Ruhe und setzen zur Insel Poel über. Dort wundern uns, dass noch Hafenmeister einkassieren und das Hafenbüro morgens und abends für 1 Stunde besetzt ist.

Unser letzter Segeltag bringt uns mit gutem, raumen Wind nach Travemünde. Dort besuchen wir das legendäre Segelfrachtschiff Passat.

1911 ist die Passat, als einer der legendären „Flying P-Liner“ in Hamburg vom Stapel gelaufen.
Sie hat bis 1957 die Weltmeere besegelt und dabei hat 39 mal Kap Hoorn umrundet. (Zitat Wikipedia).

Die Fahrt auf der Trave bis zur Marina am Stau ist eine Flussfahrt in grüner Uferlandschaft. Unter Motor, vorbei am Fracht- und Fährterminal Travemünde, tuckern wir an diesem diesigen Morgen durch die Natur. Unvorstellbar, dass dies bis vor 35 Jahren noch die schwer bewachte Zonengrenze war.

In der Marina am Stau treffen wir einen gestressten Hafenmeister. Der Kontakt mit der Davidswerft ist aber sehr gut. Wir erhalten den Eindruck, dass wir Namida für Winterlager und Reparatur in gute Hände übergeben.

Andi reist nach einem Stadtbummel durch Lübeck via Hamburg nach Basel zurück. Wir räumen, putzen, packen die gut getrockneten Segel ein und kappen die elektrischen Leitungen zum Mast. Der Mast muss für das Winterlager gelegt werden. Bei grosser Sommerhitze das Boot winterfest einpacken, ist surreal und macht uns zu schaffen.

Auch wir gönnen uns einen zusätzlichen Tag in der schönen Stadt Lübeck – ein Regenschauertag. Via Köln besuchen wir Verwandte und reisen nach Basel zurück. Wir werden von von Familie und Freunden mit offenen Armen empfangen.

 

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