Ab Bornholm segeln wir mit Kurs Nord-Ost und gutem Speed an die Südküste vor Karlskrona, passieren die kleine Hafeninsel Utklippan und machen im kleinen Hafen Stenshamn auf der Insel Utlängan fest. Ein paar typische Schwedenhäuschen mit liebevoll gepflegten Gärten, Trockentoiletten im Hafen und der Blick über die weiten Schären vor Karlskrona. Wir geniessen diesen ruhigen Ort, hören den Kuckuck rufen, Wellen schlagen an die Hafenmole, oder das sanfte Säuseln des Windes. Alle zwei Stunden kommt eine kleine Personenfähre in den Hafen und bringt neue Besucher.
Nach Grönhögen an der Südspitze Ölands, schiebt uns der Südwestwind. Von dort besuchen wir die Rekonstruktion einer frühzeitlichen Wehrburg in Eketorp. Wir fahren durch eine flache Steppe, selten ist das Land kultiviert, aber wenige Kühe und Schafe weiden auf dem kargen Boden. Eine Biosphäre, die als Unesco-Weltkulturerbe bewusst so erhalten bleiben soll.
Den nächsten Halt machen wir in Kalmar. Wieder stellen wir fest, dass sich im Heck Wasser sammelt. Unter einem eingebauten Zwischenboden entdecken wir eine gequollene, glitzernde Rostblase. Wir sind beunruhigt, da wir nicht wissen, wo sich das Leck befindet und holen uns Rat bei der Werft. Der Fachmann meint, der Schaden müsse durch Fachleute überprüft und repariert werden. Dies bedeutet Auswassern und mindestens einen Monat für die Arbeiten am Rumpf.
Wir fühlen uns abrupt gestoppt und müssen dies erst verdauen. Wir wollen Klarheit und wägen die Möglichkeiten ab: Arbeiten vor Ort oder an unserem Ziel in Finnland? Da sind zu viele Unsicherheiten und offene Fragen. Wir entschliessen uns zur Umkehr und der Suche einer Werft mit Winterlager im Norden Deutschlands.
Gezwungen durch vorherrschende westliche Winde, segeln wir oder laufen unter Motor in kurzen Tages-Etappen wieder nach Westen. In den Schären vor Karlskrona ankern wir in zwei idyllischen Buchten. Unser neuer Anker hält prima und es wird endlich langsam wärmer. Bei jedem Halt inspizieren und dichten wir weitere Leckstellen ab. Die Wassermenge reduziert sich, aber die Leckstelle kann nicht eindeutig lokalisiert werden.
In Karlshamn kommt unsere Tochter Rebekka an Bord und wir geniessen die kleine und schöne Insel Hanö. Sie hat eine interessante Entstehungsgeschichte. In der Eiszeit wurde sie von Gletschern flach geschliffen. Vor tausenden Jahren hat der Gletscher bei seinem Rückzug dort Moränen und Findlinge deponiert. Die See schleift die Steine der Moränen rund und wirft sie wieder an Land. Die grossen, vom Gletscher transportierten Findlinge bleiben kantig. Wir wandern, klettern, stolpern über Wurzeln und Steine – eine Herausforderung, aber trotzdem reizvoll und informativ.
Zwei Etappen weiter werden wir in Ystad richtig „eingeweht“. Sturmböen und Regenschauer mit bis 38 Knoten (70 km/h) Wind ziehen während dreier Tagen über uns hinweg. Unter viel Geschaukel und Gezwitscher in den Wanten, liegen wir sicher im Hafen. Das Warten ist zermürbend und wird zur Geduldsprobe. Rebekka entschliesst sich zur Rückreise mit dem Zug, bei uns geht es bei Flaute unter Motor weiter westwärts. Am südlichsten schwedischen Kap vorbei bis Falstebo. Im Kanalhafen machen wir fest und werden wieder mit drei Tage Wartezeit und noch heftigerem Geschaukel „belohnt“, bis der Westwind so weit nach Norden abdreht, dass wir über den Öresund nach Dänemark übersetzen können.




















































